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Prüfung elektrischer Anlagen

Viele Stromunfälle könnten verhindert werden, wenn elektrotechnische Arbeitsmittel rechtzeitig auf Defekte kontrolliert würden.

Regelmäßige Prüfungen sind auch vorgeschrieben. Aber es gibt keine offiziellen Fristen mehr. Der Aufbau eines funktionierenden Prüf managements ist Aufgabe des Unternehmers. Tatsache ist, dass regelmäßige Prüfungen elektrischer Betriebs und Arbeitsmittel allzu oft nicht stattfinden. Auszug aus einem Unfallbericht: „ … aufgrund der vorgefundenen Gerätefehler ist davon auszugehen, dass das elektrische Betriebsmittel nicht ordnungsgemäß und fristgerecht geprüft wurde und somit die notwendige Abschaltung im Fehlerfall nicht sichergestellt wurde.“ In diesem Fall hatte ein Beschäftigter einen Stromschlag erlitten, weil die Schutzleiterverbindung nicht ordnungsgemäß an seinem Arbeitsmittel befestigt war. Der Zeitpunkt der letzten Wiederholungsprüfung konnte nicht festgestellt werden. Auch folgender Auszug eines weiteren Unfallberichts spiegelt ein Stück betriebliche Realität wider: „ … der vorgefundene Leitungsroller war mechanisch beschädigt und die notwendige Schutzabdeckung fehlte. Dadurch wurde es möglich, dass der Maurer, Herr M., beim Einstecken der Steckverbindung das unter Spannung stehende Teil berührte.“ Die Untersuchung ergab, dass die Abdeckungen für die Schutzkontaktsteckdosen völlig fehlten.

Diesen Mangel hätte der Beschäftige schon bei einer Sichtprüfung vor Beginn der Arbeit erkennen müssen. Beispiele wie diese sind keine Einzelfälle. Die allgemeine Unfallstatistik zeigt, dass ein großer Anteil der Unfälle im Bereich der Elektrotechnik auf unzureichende oder nicht durchgeführte Erst- und Wiederholungsprüfungen zurückzuführen ist.

Verantwortung liegt beim Arbeitgeber Für die fristgerechten Prüfungen
aller elektrischen Arbeitsmittel im Betrieb ist der Unternehmer verantwortlich. Er hat dafür zu sorgen, dass diese organisiert sind und auch durchgeführt werden. Hierzu verpflichten ihn sowohl die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) als auch die Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (BGV A3/GUV-V A3). Beide fordern, dass die Betriebsmittel/Arbeits mittel vor der ersten Inbetriebnahme, nach einer Änderung oder Instandsetzung sowie in bestimmten Zeitabständen geprüft beziehungsweise überprüft werden. Die Unfallverhütungsvorschrift geht noch einen Schritt weiter und ergänzt: „ … auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden.“ Konkret verlangt sie über §5 Absatz 1 eine Prüfung der Betriebsmittel/Arbeitsmittel auf Einhaltung der Unfallverhütungsvorschrift und der zutreffenden elektrotechnischen Regeln. Letztere sind allgemein anerkannte Regeln der Technik, die in VDE-Bestimmungen enthalten sind. Mit einer einfachen Augenschein- oder Funktionsprüfung ist es also nicht getan: dafür sind die elektrotechnischen Eigenschaften elektrischer Geräte zu komplex. Vielmehr müssen zur sicherheitstechnischen Beurteilung gerätespezifische Prüfbestimmungen und aussagefähige Messwerte als Maßstab herangezogen wer den. Die Rechtsvorschriften und elektrotechnischen Regeln lassen keinen Zweifel daran, dass eine vollständige sicher heitstechnische Bewertung nur durch zuständige Elektrofach kräfte/Befähigte Personen erfolgen kann.

Im Rahmen seiner Organisationsverantwortung hat der Unternehmer somit sicherzustellen, dass

  • ausreichend qualifizierte Mitarbeiter (Elektrofachkräfte) die Prüfungen durchführen
  • die Prüffristen so gewählt werden, dass Mängel, mit denen auf Grund des Einsatzes und der Beanspruchung des Arbeitsmittels gerechnet werden müssen, rechtzeitig erkannt werden können.

Der Gesetzgeber hat in der Betriebssicherheitsverordnung ausdrücklich darauf verzichtet, starre Prüffristen vorzugeben. Der Unternehmer muss die Fristen wie auch Art und Umfang der erforderlichen Prüfung gefährdungsbezogen selbst ermitteln und festlegen – ebenso wie die Voraussetzungen, die seine Mitarbeiter erfüllen müssen, die er mit der Prüfung und/oder Erprobung von Arbeitsmitteln beauftragt.

Technische Regel zeigt den Weg Die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1201 „Prüfun gen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen“ konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung und erklärt, was im Einzelnen unter Prüfart, -frist und -umfang zu verstehen ist. Außerdem gibt sie Anhaltspunkte für die Festlegung von Prüffristen. Bei den Prüfarten unterscheidet sie beispielsweise zwischen Ordnungsprüfungen und technischen Prüfungen. Bei der Ordnungs prüfung wird unter anderem festgestellt, ob alle erforderlichen Unterlagen vorhanden und schlüssig sind, das Arbeitsmittel gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung verwendet wird oder die Betriebsbedingungen seit der letzten Prüfung geändert worden sind. Bei der technischen Prüfung werden die sicherheitstechnisch relevanten Merkmale in Augenschein genommen. Dies geschieht zum Beispiel durch Sichtprüfung, Funktions- und Wirksamkeitsprüfung, Prüfung mit Mess- und Prüfmitteln oder auch mit datentechnisch verknüpften Messsystemen (z. B. Online-Überwachung).

Unterwiesene und Befähigte Person Beschäftigte müssen ihre Arbeitsmittel zwischen zwei Prüfterminen ohne Gefährdung benutzen können. Das heißt, auch kurzfristig auftretende Beschädigungen müssen rechtzeitig entdeckt werden. Dazu dient zunächst die Prüfung durch unterwiesene Personen, die arbeitstäglich beziehungsweise vor der jeweiligen Benutzung des Arbeits geräts erfolgen soll (z. B. die Prüfung handgeführter Elektro werkzeuge durch Mitarbeiter der Werkzeugausgabe). Worauf der Mitarbeiter achten soll, ergibt die Gefährdungsbeurtei lung. Bei Prüfungen durch unterwiesene Personen ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Gefährdungen ohne oder mit einfachen Hilfsmitteln feststellbar sind. Der Prüfumfang ist gering und eine Messaus wer tung nicht notwendig. In der Regel handelt es sich um Sicht- oder Funk tions prüfungen durch den Benutzer, die nicht dokumentiert werden müssen. Für Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen unterliegen, müssen Wiederholungsprüfungen organisiert werden. Solche Prüfungen dürfen nur Befähigte Personen durchführen. Die TRBS 1203 definiert die Befähigte Person als eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe Tätigkeit über die erfor der - liche Fachkenntnis zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügt. Teil 3 „Besondere Anforderungen – Elektrische Gefährdungen“ ergänzt, dass sie eine elektrotechnische Berufsausbildung oder eine vergleichbare elektrotechnische Qualifikation auf dem Prüfgebiet vorweisen muss.

Diese Beschreibung deckt sich mit der Qualifikation einer Elektrofachkraft bzw. Elektrofachkraft
für festgelegte Tätigkeiten. Betriebe können diese also weithin als Befähigte Person für Prüfungen einsetzen – sofern sie mindestens ein Jahr praktische Erfahrungen gesammelt hat und sich auf ihrem Fachgebiet fortbildet. Der „Einsatz“ der Befähigten Person ist immer notwendig, wenn

  • die Sicherheit des Arbeitsmittels von den Montagebedingungen abhängt
  • Arbeitsmittel Einflüssen unterliegen, die sie möglicherweise schädigen, und diese Schäden zu gefährlichen Situationen führen können
  • nach Instandsetzungsarbeiten, die sich auf die Sicherheit des Arbeitsmittels auswirken können (z. B. der Austausch von Steuerungselementen und Schutzeinrichtungen).

Das Ergebnis dieser Prüfung muss dokumentiert werden.

Ermittlung der Prüffristen Auch die Festlegung der zweckmäßigen Prüffrist ist Aufgabe der Befähigten Person. Erste Hinweise auf geeignete Zeiträume geben die Herstellerhinweise in der Betriebsanleitung. Aber auch die betrieblichen Einsatzbedingungen und nicht zuletzt Erfahrungswerte spielen bei der Fristsetzung eine Rolle. Gefährdungsbezogen sind zum Beispiel folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  • spezielle Belastungen des Arbeitsmittels (z. B. Einsatz im Freien, tägliche Benutzungszeit)
  • Fehlerquote des Arbeitsmittels, Erfahrungen mit dem „Aus fallverhalten“
  • Qualifikation der Beschäftigten
  • Funktionsfähigkeit eines Systems, mit dem eine planmäßige Instandhaltung erfolgt (insbesondere ständige Überwachung sicherheitsrelevanter Bau- und Verschließteile)
  • Unfallgeschehen mit vergleichbaren Arbeitsmitteln

Die Ergebnisse zurückliegender Prüfungen können eine Änderung der Prüffrist erforderlich machen. Fristen müssen verkürzt werden, wenn sich zeigt, dass der zeitliche Abstand zwischen zwei Prüfungen zu groß ist, um Schäden rechtzeitig zu erkennen. Aber auch der andere Fall, die Verlängerung von Prüffristen, ist möglich.

Auf Grund allgemeiner Betriebserfahrungen und arbeitsmittelbezogener Fehlerquoten haben sich für elektrische Arbeitsmittel bestimmte Prüffristen bewährt, die das Unternehmen als Richtwert heranziehen kann (s. Beispiele Seite 7). Dieser in der TRBS 1201 aufgezeigte Ansatz ist im elektrotechnischen Bereich nicht grundlegend neu. Neben den in der Durchführungs an weisung zur Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ aufgeführten Prüffristen empfehlen Infor mationsschriften der Unfallversicherungsträger branchen- und gefährdungsbezogene Richtwerte zur Wiederholungsprüfung (s. Literatur).

Prüfumfang und Prüffristen verknüpfen Der Prüfumfang umfasst sowohl die Auswahl der Prüfgegenstände (z. B. Komponenten, Stichproben) als auch die Tiefe der jeweiligen Prüfung. Auch hier spielt es eine Rolle, ob das Arbeitsmittel beispielsweise im Büro oder auf der Baustelle eingesetzt wird. Die Unternehmen haben die Möglichkeit, Prüf methoden und Prüffristen miteinander zu kombinieren: So können sie eine vereinfachte Prüfmethode wählen, wenn sie mit kürzeren Zyklen der Wiederholungsprüfung die notwendige Prüftiefe erreichen und das geforderte Sicherheitsniveau nachhaltig sicherstellen. Der Vergleich mit einer umfangreichen Detailprüfung und verlängerten Prüfintervallen muss gleichwertige Ergebnisse aufzeigen. Die richtige Verknüpfung liegt im Verantwortungsbereich der Befähigten Person.

Dokumentieren und kennzeichnen Im Gegensatz zur Sicht- und Funktionsprüfung
durch unterwiesene Personen müssen Prüfungen durch Befähigte Perso nen aufgezeichnet werden. Art und Umfang der Dokumentation sollen „angemessen“ sein; vorzugsweise enthält sie Datum und Art der Prüfung, Prüfgrundlagen, Mängel und deren Bewertung, Aussagen zum weiteren Betrieb, Termin der nächsten Prüfung sowie Name und Bezeichnung des Prüfers. Zur Kennzeichnung und Dokumentation können auch Prüfplaketten und elektronische Aufzeichnungssysteme benutzt werden. Die Dokumentation ist eine wesentliche Voraussetzung für ein effektives Prüfmanagement. Nur mit ihrer Hilfe lassen sich sinnvolle Prüffristen ermitteln und einhalten. Dieter Seibel, BG Elektro Textil Feinmechanik, Köln

Anpassung von Prüffristen (Beispiel) Für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel hat sich allgemein eine mindestens jährlich stattfindende Prüfung bewährt (Richtwert). Die Gefährdungsbeurteilung ergibt, ob kürzere Fristen notwendig oder längere Fristen möglich sind:

Betriebliche Situation (Beurteilung der konkreten Gefährdung)

  • Handgeführte elektrische Arbeitsmittel und andere ähnlich stark beanspruchte Arbeitsmittel
  • Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steck vorrichtung
  • Die gleichen Arbeitsmittel auf Baustellen
  • Bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss, An schluss - leitungen mit Stecker in Büros oder unter ähnlichen Bedingungen

Mehr Information:

  • Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel (GUV-I 8524);
  • Einsatz elektrischer Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen (BGI 608);
  • Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 „Befähigte Personen – Allgemeine Anforderungen“
  • TRBS 1203 Teil 3 „Besondere Anforderungen – Elektrische Gefährdungen“;
  • VDE 0701-0702 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte, Juni 2008 (verbindliche Prüfnorm).
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